E. Stoffels stößt Diskussion über energiesparsame Mobilität an
Das Auto als Klimaschädling
Zunächst einige Daten : Von allen Varianten ist die Strasse mit 90 % Anteil am Personenverkehr und mit 71 % Anteil am Warenverkehr die dominante Form der Mobilität. Wobei die Zahl der gefahrenen Kilometer zwischen 1990 und 2007 um 47 % zugenommen hat : ein Fakt, der immer öfter zum Verkehrsinfarkt führt. Die Strasse ist mit 20 % an den CO²-Emissionen und mit einem Drittel an den Emissionen von Feinstaubpartikeln (in den Städten sogar mit 75 %) beteiligt, also ein echter Klimaschädling. In Belgien zirkulieren in 2010 rund 1.830.000 Fahrzeuge, davon 1.430.000 PKW. Die gesamte Mobilität verbraucht die gigantische Summe von 36.000 GWh (Gigawattstunden), davon 90 % für den Straßenverkehr, 6.5 % für den Luftverkehr und 2.3 % für Schienenverkehr oder den Verkehr über Wasserwege. Stoffels E. : „vor diesem Hintergrund ist es dringend geboten, sich von Fantasien zu verabschieden und Lösungen zu suchen, die mehr als nur symbolische Resultate erbringen. Die Autoren des Plans für nachhaltige Nutzung der Energie haben Vorschläge entwickelt, mittels derer bis zu einem Viertel (9.000 GWh) der Energie bis 2020 eingespart werden kann. Mit diesen Vorschlägen sollten wir uns dringend beschäftigen, nicht um ellenlange Sonntagsreden zu halten, sondern um zu greifbaren Ergebnissen zu kommen.“
Regierungsabkommen : ein Katalog frommer Wünsche ?
Gesagt, getan ! Der Regionalabgeordnete konfrontierte den Minister Nollet (Ecolo) mit einigen Fragen, die dieser mit viel Geduld beantwortete. Viele der Vorschläge – angefangen von der Umstellung auf Bus und Zug bis hin zur Nutzung des Fahrrads - aus dem aktuellen wallonischen Regierungsprogramm standen auch schon in früheren Regierungsprogrammen. Daher wollte Stoffels wissen, wie viele der damaligen Vorhaben denn umgesetzt werden konnten. Eine berechtigte Frage, wenn man sich vor Augen führt, wie tief der Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist. Auch wollte er wissen, inwieweit die Wallonie die EU-Vorgaben im Bereich Biotreibstoffe einhalten kann. Bis 2010 sollten 5.6 % und bis 2020 bis zu 10 % des Treibstoffs als Biotreibstoff angeboten werden. Minister Nollet informierte, dass in 2008 mit 115 Millionen Liter Biodiesel und mit 24 Millionen Liter Bioethanol gerade mal 1.2 % des Treibstoffs zu den sogenannten Biotreibstoffen gerechnet werden kann. Wir liegen folglich meilenweit hinter den Zielen und Vorgaben zurück und müssen verstärkt in die Produktion des Biotreibstoffs investieren, nicht zuletzt auch, um weniger abhängig von Energieimporten zu werden.
Elektroauto als Alternative ?
„Die öffentliche Hand sollte mit gutem Beispiel vorangehen“, meinte der Regionalabgeordnete und fragte danach, über wie viel Fahrzeugen die wallonische Region (sowie die ihr unterstellten öffentlichen Einrichtungen und lokalen Behörden) denn selber verfüge. Eine Frage, die er schon dem Amtsvorgänger des Ministers gestellt hatte, die dieser jedoch nie beantwortete. Minister Nollet beziffert den Fahrzeugpark der Region (ohne die ihr unterstellten öffentlichen Einrichtungen und lokalen Behörden) auf 2.457 Fahrzeuge und versicherte, dass die alten stets durch neue, energie- und geräuscharme Fahrzeugtypen ersetzt werden. Auf die Frage nach dem Einsatz von Elektroautos angesprochen, meinte der Minister, dass die Region Pilot-Vorhaben im städtischen Bereich vorsehe, verwies aber darauf, dass die bessere Alternative immer noch der Bus oder die Tram sei. „Stimmt – so Stoffels – doch seien wir Realisten. Wir werden den Individualverkehr nicht in dem Maß zurück drängen, wie das klimapolitisch sein müsste. Beispiele sind zu finden wie z.B. Hasselt, wo selbst der kostenlose Busverkehr nicht zum erhofften Ergebnis geführt hat. Wir werden also auch versuchen müssen, den Individualverkehr auf umweltfreundlichere Fahrzeugtypen umzustellen. Das Elektroauto als Zweitwagen für Kurzstrecken bietet gerade im Stadtverkehr eine erwägenswerte Alternative. Ich hoffe, dass die Region sich jetzt nicht jahrelang hinter einigen Pilot-Vorhaben verstecken wird, die ein Umdenken vortäuschen wo kein Umdenken ist.“ |